Seit einiger Zeit geistert der Trendbegriff „Self Care“ auch im deutschsprachigen Raum umher. Ob auf sozialen Medien, in Magazinen oder auf Internetportalen – Self Care scheint sich überall auszubreiten und verspricht, körperliche und mentale Gesundheit zu fördern und eine harmonische Beziehung mit dem Selbst zu schaffen. Doch was versteckt sich eigentlich genau hinter dem Begriff? Was kann Self Care leisten und wie lässt sie sich in den Alltag einbinden? 

Über den Begriff

Self Care kommt aus dem Englischen und lässt sich grob mit „Selbstfürsorge“ übersetzen. Der Trend, wie er zum Beispiel auf Social Media praktiziert wird, macht es sich zum Ziel, dass sich Menschen mehr um sich selbst kümmern. Dadurch soll die physische und psychische Gesundheit gestärkt werden. Die stärkere Auseinandersetzung mit dem Selbst wird als etwas Notwendiges verstanden, um mit den Bürden der komplexen Welt zurechtzukommen. Oder etwas salopper ausgedrückt: Erst wenn der innere Kern gestärkt ist, ist es möglich, auch mit dem äußeren Chaos fertig zu werden. 

Die „klassische“ Self Care gibt es dabei nicht. Vielmehr wird sie verstanden als eine Art Lebensphilosophie, die das eigene Denken und Handeln bestimmt. Verschiedene Subbereiche des Trends beschäftigen sich beispielsweise mit der Etablierung einer gesunden Ernährung, Schlaf, Körperpflege, Erholung, Sport oder sozialer Interaktion. Auch wenn der Begriff gerade in den letzten Jahren als eine regelrechte Trendbewegung aufsteigt, gehen die Ursprünge vermutlich weit in der Menschheitsgeschichte zurück. Bereits Sokrates soll die große Bedeutung der Selbstfürsorge verstanden haben und auch der Philosoph Foucault beschäftigte sich im vergangenen Jahrhundert viel mit dem Begriff. Von einem temporären Trend ist also wohl kaum zu sprechen. 

Vielfältige Interpretationen von Self Care

Das Spektrum, was als konkrete Self Care-Maßnahmen verstanden werden kann, ist breit. Eine eindeutige To-do-Liste ist nicht vorhanden. Vielmehr gilt es, sich bewusst und gezielt etwas Gutes zu tun. Oftmals wird Self Care mit Wellness verbunden. Ob ein Spa-Wochenende in einer Kurstadt, der Besuch einer Therme in Österreich oder eine entspannende Massage in München – die Möglichkeiten scheinen unendlich. Auch das Treffen mit alten Freunden, das Zusammenfinden mit geliebten Familienangehörigen oder der Austausch mit neuen Bekannten kann als selbstfürsorgliche Maßnahme verstanden werden. 

Ausflüge, Urlaube, Restaurantbesuche, Wandertouren & Co. zeichnen sich dabei allerdings vorwiegend durch ihre kurzlebige Natur aus. Sie sind gezielte, oftmals einmalige Maßnahmen, um für kurze Zeit dem alltäglichen Leben und Stress zu entfliehen. Der bekannte Erholungsfaktor hält in diesem Fall nicht selten nur für kurze Zeit an. Dennoch können sie als wichtige Säulen in einem gesamtheitlichen Konzept dienen. Vorfreude und langfristige Erinnerungen, sich etwas Gutes gegönnt zu haben, sind eine wertvolle und wichtige Ergänzung, um mehr Selbstfürsorge zu betreiben. 

Selbstfürsorge im Alltag etablieren

Neben einmaligen und kurzweiligen Erholungspausen zielt der Kern der Self Care auf langfristige Lebensgewohnheiten und Umstellungen ab. Diese bilden das stützende Fundament, auf dem kurzfristige Erholungspausen aufgebaut werden können, das aber zugleich stabil genug ist, um den weniger schönen Dingen des Lebens standzuhalten. Dieses Gerüst setzt sich zumeist aus alltäglichen Kleinigkeiten aus. Neue Routinen sind dabei zentral. Wer schon einmal versucht hat, von heute auf morgen das gesamte Leben umzukrempeln, wird sicher festgestellt haben, wie mäßig und schwierig das umzusetzen ist. 

Self Care strebt bestenfalls nach einer allmählichen Etablierung von Veränderung. Statt eine neue Diät zu starten, werden nach und nach gesündere Lebensmittel in den Alltag aufgenommen. Ein anfängliches Ziel kann es beispielsweise sein, zunächst eine Mahlzeit am Tag umzustellen. Auch Meditation spielt mitunter eine große Rolle. Bereits fünf Minuten am Tag können einen Unterschied bewirken. Beliebt ist außerdem das sogenannte Journaling. Im Grunde beschreibt dies das Führen eines Tagebuches. Es geht dabei um eine bewusste Selbstreflektion, Achtsamkeitsübung und tiefe Ergründung des Selbst. Auch das Bewegen an der frischen Luft wird gerne als Maßnahme von Self Care etabliert. Statt sich übereifrig in ein intensives Sportprogramm zu stürzen, sind kurze Spaziergänge im Alltag umsetzbar und bewirken bereits eine Veränderung.

Die Selbstfürsorge ist eine langfristige, lebensbestimmende Art der Alltagsgestaltung. Sie schafft mehr als kurzfristige Erholung und Stressabbau und ist zugleich einfach genug, um sie in den Alltag aufzunehmen. Insbesondere ihre unklare Auslegung und Offenheit gegenüber Eigeninterpretation machen sie zu einem Leitfaden, der weit über eine bloße Trendbewegung hinausgeht. 

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